Samen

Posted on

2018

„SAMEN“ ist ein experimenteller Stop-Motion-Film, in welchem ein Junge in einem mysteriösen Wald erwacht. Auf seiner Reise durch skurrile Orte trifft er auf eigenartige Kreaturen und Pflanzen und durchlebt die verschiedenen Stadien des Erwachsenwerdens.

Draht, Knetmasse und Stoff wurde für die Herstellung der Figuren verwendet. Alle Hintergründe und im Film zu sehende Charaktere wurden aufwendig per Hand produziert. Das Ziel des Filmes ist es eine simple und lineare Geschichte auf eine unkonventionelle Weise zu erzählen und damit das Chaos und die Skurrilität des Heranwachsens zu verbildlichen.

Der Film wurde beim Ars Electronica Festival 2020 in der Kategorie U19 Create your World mit der Goldenen Nica ausgezeichnet.
Außerdem wurde er auf dem Cinema Next Film-Festival gezeigt.

Für mehr Bilder besucht uns auf Instagram: @samen.derFilm

KURZINHALT
Auf einer Lichtung mitten im Wald öffnet sich eine Knospe in der ein Junge liegt und von dem einfallenden Licht geweckt wird. Staunend und fasziniert beobachtet er das Geschehen um sich. Jedoch verändert sich seine Umgebung, wird seltsamer und angsteinflößender. Er lernt neue Gefährten, aber auch Feinde kennen. Die verschiedenen Welten durch die er gehen muss, stellen die unterschiedlichen Phasen des Erwachsenwerdens dar. Seine Erlebnisse beeinflussten den Jungen, bringen ihn weiter, stellen ihn vor Herausforderungen und konfrontieren ihn schließlich sogar mit dem Tod.

Team:

Jona Lingitz (Regie und Postproduktion)
Franziska Gallè (Regie und Schnitt)
Lisa Rass (Produktion)
Anna Fachbach (Kamera und Licht)

Ars Electronica Festival 2020 (Credit: Tom Mesic)

Jurystatement Ars Electronica

Es gibt Werke, die stehen für sich selbst, auch wenn sie etwas darstellen oder eine Geschichte erzählen. Allein, dass es sie gibt, macht sie zu etwas Besonderem, Eigenartigem, man könnte auch sagen: zu etwas Wesentlichem. Jedenfalls wäre die Welt eine andere, gäbe es diese Werke nicht. Samen ist solch ein Werk. In Gestalt eines Puppentrickfilms wird das Phänomen „Pubertät“ mit all seinen rätselhaften Facetten beschrieben – mit seiner Unberechenbarkeit, Verstörung und Faszination. Dafür haben die Schöpfer auf gesprochene Sprache verzichtet und ihre eigene, absolut zwingende Bildsprache entwickelt, durch die sie eine Komplementärwelt erschaffen: eine Allegorie, eine Bilderzählung, die etwas beschreibt, was Sprache nicht auszudrücken vermag, weil der zu beschreibende Inhalt sich den logischen Disziplinen verweigert. Der Mensch, das sprechende Tier, ist mit seinem Latein am Ende, wenn sich in ihm die Sexualität rührt und seinen Körper und Geist in einen Urwald verwandelt. Jona Lingitz, Franziska Gallé, Lisa Rass und Anna Fachbach finden in ihrem gerade einmal vierminütigem Streifen einen höchst artifiziellen Ausdruck für das Zitat: „Alles im Leben hat mit Sexualität zu tun (außer Sex)”. Auch handwerklich ist Samen ein Kunststück. Die wenigen Effekte sind wohl platziert. Die spärlich-präzise Tonebene verzichtet ebenso zwingend auf Musik wie auf Sprache. Die Farbigkeit, die Lichtsetzung und die Montage sind meisterlich. Wie die Hauptfigur im Film bekommt man eine Nuss zu knacken, ein Rätsel geschenkt. Und jeder, der die Pubertät erlebt hat oder gerade mitten drinsteckt, weiß: Für dieses Rätsel gibt es viele Lösungen und keine Antwort.